So will die Türkei ihre Wirtschaft 2025–2027 stärken

So will die Türkei ihre Wirtschaft 2025–2027 stärken

Die Türkei stellte 2024 ihr Reformprogramm für 2025–2027 vor. Darin beschreibt die Regierung, wie sie Unternehmen entlasten, das Vertrauen von Investoren stärken und die Wirtschaft erneuern will.

Mehr Wachstum durch höhere Produktivität

Ein wichtiger Gedanke ist, mit der eingesetzten Arbeit und dem Kapital mehr zu erreichen. Dafür steht der Begriff Gesamtfaktorproduktivität. Sie soll langfristig Wachstum und Wohlstand fördern. Gezielte Investitionen in wichtige Produktionsbereiche, wirtschaftliche Stabilität und Reformen in Landwirtschaft, Industrie und Dienstleistungen sollen dazu beitragen. Zugleich soll das Wachstum keinen zusätzlichen Inflationsdruck auslösen. Die damaligen Ziele für das BIP-Wachstum betrugen 4 Prozent für 2025, 4,5 Prozent für 2026 und 5 Prozent für 2027.

Einfacher investieren und neue Ideen umsetzen

Unternehmen sollen bei Investitionen auf einfachere Regeln und weniger aufwendige Abläufe treffen. Anpassungen der öffentlichen Finanzen sollen die Reformen begleiten. Daneben geht es um neue Ideen, die Erneuerung wichtiger Branchen und bessere Voraussetzungen für Forschung und Entwicklung. Mittlere und große Unternehmen sollen ihre Lieferketten vor allem durch den grünen und digitalen Wandel weiterentwickeln. Private Investitionen sollen so stärker zum langfristigen Wachstum beitragen.

Mehr erneuerbare Energie, weniger Emissionen

Mehr erneuerbare Energie, höhere Energieeffizienz und die Anpassung an internationale Umweltvorgaben gehören zu den zentralen Vorhaben. Der Rechtsrahmen zum Klimaschutz soll vervollständigt und der zweite nationale Klimabeitrag der Türkei erarbeitet werden, um klare Ziele für die Senkung der Treibhausgasemissionen festzulegen. Eine Strategie samt Aktionsplan für grüne Finanzierung soll das Land außerdem an internationale Standards zur Einstufung nachhaltiger Wirtschaftstätigkeiten heranführen.

Bessere Bedingungen für Forschung und Entwicklung

Zusätzliche Forschungs- und Entwicklungszentren sowie Technologieentwicklungszonen sollen Innovation und Unternehmensgründungen fördern. Verfahren zur Bewertung geistigen Eigentums sollen verbessert werden. Große forschungsintensive Unternehmen sollen verstärkt auf fortschrittliche Technologien setzen. Hightechbranchen sowie kleine und mittlere Unternehmen erhalten gezielte Unterstützung, um ihre Fähigkeiten und Wettbewerbsposition auszubauen.

Digitale Technik in Unternehmen und Behörden

Kleine und mittlere Unternehmen sollen digitale Technik leichter nutzen können. In der Verwaltung stehen einfachere Abläufe und bessere öffentliche Dienstleistungen im Vordergrund, begleitet von mehr Cybersicherheit. Für die Halbleiterindustrie umfasst die Planung den gesamten Weg von Forschung und Entwurf über die Fertigung bis zur Vermarktung. Hinzu kommen ein Fahrplan für 5G und eine Satellitenstrategie, die auch Nanosatelliten und große Satellitenkonstellationen berücksichtigt.

Neue Absatzmärkte für türkische Unternehmen

Handelsdiplomatie soll bestehende Abkommen vertiefen und neue Absatzmärkte erschließen. Die Türkei will mehr in Nachbarländer und eng verbundene Staaten exportieren und zugleich fernere Märkte erreichen. Bilaterale und multilaterale Gespräche sollen insbesondere den Handel mit Afrika, Lateinamerika und Asien fördern. Vorgesehen sind auch die Modernisierung der Zollunion mit der EU und eine weitere Annäherung an EU-Vorschriften. Strategien für entfernte Märkte und zur Steigerung der Exporte in islamische Länder sollen die Absatzbasis verbreitern.

Finanzierung für den Export

Exporteure sollen leichter Zugang zu Finanzierung zu günstigen Bedingungen erhalten, besonders beim grünen und digitalen Umbau ihrer Betriebe. Eximbank soll vor allem technologieintensive Exporte mit hoher Wertschöpfung finanzieren. Die Türkei will zudem Dienstleistungsexporte in Tourismus und Verkehr ausbauen und ihre Position in Gesundheitstourismus, Bildung und Medienproduktion stärken. Neue Märkte, umweltfreundlicherer Tourismus und gezielte Werbung für Gesundheitsangebote sollen zusätzliche Einnahmen bringen.

Die Arbeit an der digitalen türkischen Lira

Finanztechnologie soll alternative Finanzierungswege eröffnen und die Zusammenarbeit zwischen traditionellen Finanzinstituten und Technologieunternehmen erleichtern. Die Zentralbank soll die digitale türkische Lira weiterentwickeln. Die Erfahrungen aus der zweiten Pilotphase sollen zeigen, wie es weitergeht. Zugleich soll die Cybersicherheit von Zahlungssystemen und E-Geld-Instituten verbessert werden.

Ein breiteres und gerechteres Steuersystem

Die Steuerregeln sollen Investitionen, Arbeitsplätze, Produktion und Exporte fördern und zugleich gerechter werden. Ausnahmen und Abzüge, die wenig bewirken, sollen überprüft werden, um die Steuerbasis zu verbreitern. Auch die freiwillige Erfüllung der Pflichten soll leichter werden. Steuerdaten und Berichte sollen umfassender zugänglich sein. Digitale Plattformen, genauere Analysen und Daten Dritter sollen dabei helfen, Risiken aufzudecken und Steuerhinterziehung vorzubeugen.

Besserer Schutz vor Naturkatastrophen

Gemeinden und Infrastruktur sollen widerstandsfähiger gegen Naturkatastrophen werden, um Menschenleben und Eigentum besser zu schützen. Stadterneuerung soll in besonders gefährdeten Gebieten wie Istanbul Vorrang erhalten. Investitionen sollen auch den Tourismus in betroffenen Regionen wiederbeleben. Darüber hinaus soll ein umfassenderes Versicherungssystem gegen Katastrophenschäden ausgebaut werden.

Weniger Bürokratie für Unternehmen

Klare Regeln, Transparenz und berechenbare Entscheidungen sollen die Türkei für Unternehmen und Investoren attraktiver machen. Das Land will ausländische Direktinvestitionen von hoher Qualität gewinnen und inländische wie internationale Ersparnisse in produktive Bereiche lenken. Unternehmen werden weniger Bürokratie, geringere Kosten und mehr digitale Handelsregisterdienste in Aussicht gestellt. Investoren sollen online und bei zentralen Anlaufstellen gebündelte Hilfe erhalten. Ein Verzeichnis geeigneter Investitionsstandorte soll die Standortwahl erleichtern.

Verlässliche Regeln für Investoren

Das Regelwerk soll Investoren mehr Stabilität und Planungssicherheit geben. Gerichtsverfahren sollen verbessert und alternative Möglichkeiten der Streitbeilegung erweitert werden. Spezialisierte Gerichte, etwa für Insolvenzrecht und geistiges Eigentum, sollen schnellere Entscheidungen ermöglichen. Vorschriften sollen so überarbeitet werden, dass bestehende Investitionen vor nachteiligen Änderungen geschützt sind. Eine Behörde für Marktüberwachung und Kontrolle soll Aufsichtstätigkeiten bündeln und Doppelarbeit vermeiden.

Förderung grüner und digitaler Investitionen

Der grüne und digitale Wandel prägt auch die Pläne für die Industrie. Kleine und mittlere Unternehmen sollen ihre Kapazitäten ausbauen und Zugang zu globalen Lieferketten finden. Nationale Unternehmenscluster, die Wettbewerbsfähigkeit und Nachhaltigkeit stärken, erhalten weiter Unterstützung. Ein Gesamtplan soll Industriegebiete mit Zugang zu wichtigen Ressourcen entwickeln. Pilotprojekte mit Industrieflächen für internationale Investoren sollen strategische Vorhaben im verarbeitenden Gewerbe erleichtern.